Mittwoch, 5. Juli 2017

BMUB-PM: Phosphor – zu wertvoll für die Müllverbrennung

BMUB-Pressedienst Nr. 235/17
Berlin, 05. Juli 2017

Kreislaufwirtschaft/Ressourcenschonung
Phosphor – zu wertvoll für die Müllverbrennung
Neue Klärschlammverordnung stellt die Weichen für Wiedergewinnung

Phosphor ist der verborgene Schatz im Klärschlamm. Trotzdem wird er immer
noch in Müllverbrennungsanlagen vernichtet. Das soll in Zukunft anders
werden. Nach der neuen Klärschlammverordnung, die der Bundestag jetzt
billigte, müssen Klärschlämme für die Wiedergewinnung von Phosphor
recycelt werden. Ziel ist es, nach und nach den Stoffkreislauf Phosphor zu
schließen und damit die Abhängigkeit Deutschlands von Phosphorimporten
abzubauen. Das schont die endlichen Phosphorressourcen und verringert
Schadstoffeinträge in Böden.

Phosphor wird vor allem als Düngemittel eingesetzt. Bei der Herstellung
von mineralischen Phosphordüngern ist Deutschland – wie auch fast alle
anderen EU- Staaten – vollständig von Importen abhängig. Theoretisch
können diese Importe zu 50 bis 60 Prozent durch Phosphor aus Klärschlamm
ersetzt werden. Um diesem Ziel näher zu kommen, verpflichtet die
neugefasste Klärschlammverordnung vor allem Betreiber größerer
Abwasserbehandlungsanlagen zur Phosphorrückgewinnung aus phosphorreichen
Klärschlämmen.

Um geeignete Rückgewinnungsverfahren zu entwickeln und zu genehmigen,
sieht die Verordnung Übergangsfristen vor. Für Betreiber von
Abwasserbehandlungsanlagen mit einer Ausbaugröße ab 100.000
Einwohnerwerten greift die Pflicht zur Rückgewinnung von Phosphor 12
Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung; Anlagen mit einer Ausbaugröße
ab 50.000 Einwohnerwerten müssen die Pflicht zur Phosphorrückgewinnung
15 Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung erfüllen. Zeitlich parallel
wird die unmittelbare Düngung mit Klärschlämmen aus solchen Anlagen
nicht mehr zulässig sein. Lediglich bei Anlagen mit einer Ausbaugröße
bis 50.000 Einwohnerwerten - und damit in vorwiegend ländlich geprägten
Regionen - wird es noch zulässig sein, Klärschlämme unmittelbar zur
Düngung einzusetzen. Dabei gelten allerdings strengere Anforderungen als
bisher.

2015 fielen in Deutschland rund 1,8 Mio. Tonnen kommunaler Klärschlämme
(Trockenmasse) an. Nur rund ein Drittel wurde zum Düngen und zur
Bodenverbesserung eingesetzt. Der überwiegende Anteil wurde nach einer
thermischen Behandlung auf Deponien abgelagert, dabei ging Phosphor
verloren.

Die Verordnung wird voraussichtlich im Herbst dieses Jahres im
Bundesgesetzblatt verkündet werden und in Kraft treten.


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