Donnerstag, 15. Juni 2017

BMUB Pressedienst Nr. 211/17 -- Naturschutz

Berlin, 15. Juni 2017

Naturschutz
Schwarzwald ab heute mit UNESCO-Prädikat
„Biosphärenreservat" mit großem Artenreichtum und kultureller
Vielfalt

Der Schwarzwald im Südwesten der Republik darf sich nun
„Biosphärenreservat" nennen. Das beschloss der Internationale Rat des
UNESCO-Programms „Der Mensch und die Biosphäre" (MAB). Das neue
Schutzgebiet erstreckt sich über 28 Gemeinden im Südschwarzwald auf
einer Fläche von etwa 630 Quadratkilometern. Als Biosphärenservate
zeichnet die UNESCO Natur- und Kulturlandschaften aus, die sich aufgrund
ihrer kulturellen Vielfalt und ihres großen Artenreichtums als
Modellregionen für nachhaltige Entwicklung eignen. Der Schwarzwald ist
das 16. Gebiet in Deutschland, dem die UNESCO diesen Titel verleiht.
Zuletzt waren 2009 der Bliesgau und die Schwäbische Alb als
Biosphärenreservate anerkannt worden.

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im BMUB:
„Ich freue mich sehr, dass große Teile des Schwarzwalds von der UNESCO
ausgezeichnet wurden. Das ist nicht zuletzt der Initiative der örtlichen
Gemeinden im Schwarzwald zu verdanken. Ich danke allen Bürgermeistern,
Bürgern und ehrenamtlichen Naturschützern, die sich dafür so lange
engagiert haben und dabei vom Land und dem Regierungspräsidium Freiburg
unterstützt wurden. Ich bin sicher, dass dieser erfolgreiche Naturschutz
von unten auch für die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen wird.
Denn der Titel ‚Biosphärenreservat' ist nicht nur eine Zierde,
sondern auch eine Verpflichtung: Umweltschutz und Nachhaltigkeit müssen
im Schwarzwald auf Dauer groß geschrieben werden."

Dr. Christiane Paulus, die Vorsitzende des MAB-Nationalkomitees beim
Bundesumweltministerium: „In Deutschland leisten bislang 15
UNESCO-Biosphärenreservate sehr überzeugende Arbeit, um die Regionen
unter Bewahrung ihrer Natur- und Kulturlandschaften zukunftsfähig zu
machen. Nun kommt der südliche Schwarzwald als weitere Modellregion für
nachhaltige Entwicklung hinzu. Im Südschwarzwald hat sich in den letzten
Jahren eine beeindruckende Dynamik seiner Bewohner entwickelt, diese
großartige Kulturlandschaft gemeinsam zukunftsfähig zu machen."

Gemeinschaftlich genutzte Bergweiden bis in die höchsten Lagen, die
„Allmendweiden", zeichnen das neue UNESCO-Biosphärenreservat
Schwarzwald besonders aus. Auf diese Hochweiden trieben die Bauern ihre
großen Herden mit traditionellen Rinderrassen noch bis in die jüngere
Vergangenheit. Die daraus entstandene einzigartige Landschaft umfasst zum
Beispiel von Verbiss geprägte „Weidbuchen". Allmendweiden sind wegen
ihres großen Artenreichtums besonders schützenswert, heute jedoch nur
noch vereinzelt in Deutschland vorhanden. Das frisch gekürte
UNESCO-Biosphärenreservat will unter anderem zum Erhalt von gefährdeten
Rinderrassen bei-tragen, beispielsweise durch Vermarktung von Milch, Käse
und Fleisch. Charakteristisch für den südlichen Schwarzwald sind
außerdem der Wechsel von Wald- und Offenlandschaften und der Weitblick
von den hohen Gipfeln. Keine andere deutsche Mittelgebirgslandschaft weist
größere Höhenunterschiede auf kleinstem Raum auf.
Die Menschen im Südschwarzwald entwickelten eine Vielfalt an Traditionen
weiter. Nahezu jedes Dorf hat seine eigene Tracht, die alemannische
Sprache und Fastnacht sind Beispiele des Immateriellen Kulturerbes ebenso
wie die Holzschnitzkunst. Bergbaugeschichte lässt sich hier erleben.
Mühlen, Museen, moderne Baukultur und traditionelle Schwarzwaldhäuser
laden ein, die Vielfalt der Region kennenzulernen. Lang etabliert ist auch
die Nutzung von durch Wasserkraft und Holz gewonnenen erneuerbaren
Energien.

Hintergrund
UNESCO-Biosphärenreservate zeigen, wie der Reichtum der Natur- und
Kulturlandschaft durch eine nachhaltige wirtschaftliche Nutzung erhalten
werden kann. Nunmehr 16 UNESCO-Biosphärenreservate in Deutschland
arbeiten als Modellregionen für nachhaltige Entwicklung mit über 600
Biosphärenreservaten weltweit zusammen. Strenger Naturschutz in Kernzonen
geht einher mit der Entwicklung und Förderung nachhaltiger
Wirtschaftsweisen auf dem Großteil der Fläche. Deutschlandweit
verzeichnen die Biosphärenreservate jährlich insgesamt rund 65 Millionen
Besucher, die einen Bruttoumsatz von knapp drei Milliarden Euro bewirken.
Der Internationale MAB-Koordinationsrat entscheidet jährlich über die
Anerkennung von Biosphärenreservaten und überprüft alle zehn Jahre die
Qualität der bereits bestehenden Gebiete. Bis morgen berät er über die
Anerkennung weiterer Biosphärenreservate weltweit.
Weitere Informationen
Biosphärenreservat Schwarzwald
Biosphärenreservate in Deutschland
UNESCO-Biosphärenreservate weltweit




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