Mittwoch, 15. März 2017

Ebner zur Glyphosat-Einstufung/ECHA: Das Risiko ist zu hoch

PRESSEDIENST
» Pressemitteilung

 

18. WP – 15.03.2017

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,        

 

zur heutigen Gefahrstoff-Einstufung für Glyphosat durch die Europäische

Chemikalienagentur (ECHA) erklärt Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik-

und Bioökonomiepolitik:

 

Das ist kein Freibrief für eine Neuzulassung. Dafür sind bestehende Hinweise für einen

Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs zu stark. Deshalb

haben die Krebsexperten der Weltgesundheitsorganisation das globale

Ackergift Nummer eins vor zwei Jahren als „wahrscheinlich krebserregend“

eingestuft. In Kalifornien wird künftig auf Glyphosat-Produkten ein

entsprechender Warnhinweis stehen. Die ECHA-Einstufung ist deshalb

unverständlich für alle, die besseren Schutz vor unverantwortlichen und

unnötigen Risiken fordern.

 

Selbst die deutschen und europäischen Behörden, die für die

Glyphosat-Neuzulassung grünes Licht gegeben haben, bestreiten den

Krebsverdacht nicht. Sie sagen nur: bei „bestimmungsgemäßer Anwendung“

bestehe kein Krebsrisiko, beziehungsweise es sei „unwahrscheinlich“. Doch

bei einem allgegenwärtigen Stoff wie Glyphosat, von dem jährlich Millionen

Liter allein auf deutsche Äcker gespritzt werden, der in vielen

Lebensmitteln gefunden wird und den viele von uns sogar schon im Körper

haben, ist auch ein vermeintlich geringes Risiko zu hoch.

 

Auch die ECHA hat leider genau wie zuvor das Bundesinstitut für

Risikobewertung (BfR) und die Europäische Lebensmittelaufsicht EFSA erneut

nur den reinen Wirkstoff Glyphosat betrachtet. Glyphosat wird aber

ausschließlich in einem potenziell viel giftigeren Gemisch mit Beistoffen

verkauft und angewendet – und dieses Gemisch wird überhaupt nicht geprüft.

 

Glyphosat ist zudem Gift für die Artenvielfalt – und wie auch ECHA betont:

Besonders giftig fürs Wasser mit langfristigen Folgen.

Eine wachsende internationale Bewegung hat Schäden durch

das Ackergift an Menschen, Tieren und Umwelt weltweit dokumentiert. Die

Europäische Bürgerinitiative (EBI) gegen Glyphosat hat innerhalb weniger

Wochen fast eine halbe Million Unterschriften gegen Glyphosat gesammelt.

Sie alle bestehen zu Recht auf dem Vorsorgeprinzip. Im Zweifel muss der

Schutz der Bevölkerung  und der Artenvielfalt Vorrang haben vor den

Interessen von Bayer, Monsanto und Co.

 

Eine industrialisierte Landwirtschaft, die Glyphosat und andere Pestizide

zum regulären Teil ihres Systems macht, ist ein Auslaufmodell. Das sieht

inzwischen auch die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) so. Die

Menschen wollen kein Ackergift im Essen, deshalb reagiert jetzt schon der

Handel mit schärferen als den gesetzlichen Grenzwerten. Die

UN-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Nahrung fordert eine globale

Abkehr von der pestizidbasierten Landwirtschaft. Eine neue Studie aus

Frankreich zeigt, dass weniger Pestizide nicht weniger Ertrag bedeuten.

 

Glyphosat ist nur ein Teil des Problems. Es geht auf keinen Fall darum,

ein Gift durch ein anderes, womöglich noch gefährlicheres zu ersetzen. Die

Landwirtschaft muss raus aus der Abhängigkeit von Ackergiften.

 

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