Mittwoch, 20. April 2016

BMUB-Pressedienst Nr. 083/16 – Atomkraft/Belgien

Berlin, 20. April 2016

Atomkraft/Belgien
Reaktorsicherheits-Experten sehen weiteren Untersuchungsbedarf für Tihange
2 und Doel 3
Hendricks: Solange Untersuchung läuft, sollten AKW
vorübergehend vom Netz

Vor dem Hintergrund einer Stellungnahme der
Reaktor-Sicherheits¬kommis¬sion und Beratungen zwischen deutschen und
belgischen Reaktorsicherheitsexperten bittet Bundesumweltministerin
Barbara Hendricks die belgische Regierung, die beiden AKW-Blöcke Tihange
2 und Doel 3 bis zur Klärung offener Sicherheitsfragen vom Netz zu
nehmen. In den Reaktordruckbehältern der beiden Anlagen waren
Wasserstoffflocken gefunden worden.

Die unabhängige Reaktorsicherheitskommission (RSK), die von Hendricks um
eine Stellungnahme gebeten worden war, kommt in ihrer Beurteilung der
Sicherheitsreserven der beiden Reaktoren unter der Annahme einer
Störfallbelastung zu dem Ergebnis, es gebe aus heutiger Sicht „keine
konkreten Hinweise, dass die Sicherheitsabstände aufgezehrt sind. Es kann
aber auch nicht bestätigt werden, dass diese sicher eingehalten
werden."

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: „Die unabhängigen Experten der
RSK können mir nicht bestätigen, dass die Sicherheitsreserven von
Tihange 2 und Doel 3 eingehalten werden können. Deshalb halte ich es für
richtig, die Anlagen vorübergehend vom Netz zu nehmen, jedenfalls so
lange, bis die weiteren Untersuchungen abgeschlossen sind. Ich habe die
belgische Regierung um diesen Schritt gebeten. Er wäre ein starkes
Zeichen der Vorsorge. Und er würde zeigen, dass Belgien die Sorgen seiner
deutschen Nachbarn ernst nimmt."

Auf Initiative von Hendricks hatte am 5. und 6. April die neu gegründete
deutsch-belgi¬sche Arbeitsgruppe zur nuklearen Sicherheit auf
Expertenebene getagt und sich mit den Befunden in den AKW Doel 3 und
Tihange 2 befasst. Hintergrund der Beratungen sind die in den
Reaktordruckbehältern der beiden Anlagen gefundenen Wasserstoffflocken.
Im Rahmen dieser Sitzung wurden insbesondere die Antworten der belgischen
Aufsichtsbehörde auf offene Fragen des BMUB erörtert.

Im Ergebnis befürworten sowohl deutsche als auch belgische Experten
weitergehende Untersuchungen, um die vorhandenen Nachweise zur Sicherheit
abzusichern. Erste Vorschläge für ein weiteres Untersuchungsprogramm
wurden von belgischer Seite bereits erarbeitet. Das
Bundesumweltministerium begrüßt die Initiative und ist bereit, das
Untersuchungsprogramm gemeinsam mit den belgischen Experten auf
internationaler Ebene zu begleiten. Die Verantwortung für die nukleare
Sicherheit trägt die belgische Atombehörde und in letzter Instanz der
belgische Innenminister Jan Jambon.

Hendricks: „Ich danke Belgien für die offene und konstruktive Art der
fachlichen Auseinandersetzung mit den deutschen Experten. Es ist gut, dass
die belgische Atombehörde weitergehende Untersuchungen durchführen will,
wie das auch unsere Fachleute empfehlen.

Die Stellungnahme der Reaktorsicherheitskommission finden Sie hier:
www.bmub.bund.de/N52994


Das BMUB auf Twitter: @bmub

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