Donnerstag, 17. März 2016

BMUB Pressedienst Nr. 057/16 -- Klimaschutz/Emissionen

Berlin, 17. März 2016

Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Umweltbundesamt

UBA-Emissionsdaten für 2015 zeigen Notwendigkeit für konsequente
Umsetzung des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020
Hendricks: Alle Sektoren müssen im Klimaschutz liefern

Hohe Stromexporte, eine im Vergleich zum Vorjahr kühlere Witterung und
günstigere Kraftstoffpreise haben 2015 zu einem leichten Anstieg der
Treibhausgasemissionen geführt. Das geht aus der Nahzeitprognose des
Umweltbundesamtes hervor. Demnach stiegen die Emissionen um sechs
Millionen Tonnen auf 908 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, das entspricht
0,7 Prozent. Gegenüber 1990 sind die Emissionen demnach um 27,2 Prozent
gesunken.

Bei der Stromerzeugung gingen die CO2-Emissionen zurück. Obwohl 2015 mit
Grafenrheinfeld das größte Atomkraftwerk abgeschaltet wurde, nahm die
Kohleverstromung nicht zu. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der
Stromerzeugung konnte deutlich auf 30 Prozent gesteigert werden. Eine
entsprechende Senkung des CO2-Ausstoßes wurde jedoch durch den Anstieg
der Stromexporte verhindert, die 2015 mit 50 Terawattstunden auf
Rekordniveau lagen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: „Die schlechte Nachricht ist:
Unsere Klima-schutz-Fortschritte beim Ausbau der erneuerbaren Energien
werden leider durch die anhaltend hohe Produktion von Kohlestrom zum Teil
zunichte gemacht. Das liegt an den Überkapazitäten bei Kohlekraftwerken.
Aber die gute Nachricht ist: Wir sind bereits auf dem Weg zur Lösung. Ein
schrittweiser Ausstieg aus der Kohleverstromung ist ohne Engpässe bei der
Stromversorgung möglich. Das zeigen die Zahlen deutlich. Ab 2017 werden
wir die ersten Braunkohle-Kraftwerke vom Netz nehmen und zunächst in eine
Reserve überführen. Damit ist eine wichtige klimapolitische Weiche
bereits gestellt."

Die Wirkung des im Dezember 2014 beschlossenen Aktionsprogramms Klimaschutz
ist in den vorliegenden Zahlen noch nicht enthalten, da viele Maßnahmen
im Laufe des Jahres 2015 erst angelaufen sind.

Die wichtigste Ursache für den Emissionsanstieg war die im Vergleich zum
Vorjahr kühlere Witterung. Daher wurde mehr Heizenergie benötigt.
Haushalte und andere Kleinverbraucher verbrauchten vor allem mehr Erdgas,
was die Emissionen um 4,5 Millionen Tonnen erhöhte.

Hendricks: „Die Zahlen weisen darauf hin, dass die Witterung immer noch
einen großen Einfluss auf unsere Klimabilanz hat. Das zeigt, dass gerade
im Wärmesektor noch enorme Potenziale liegen, vor allem bei der
Energieeffizienz von Gebäuden. Hier gibt es Handlungsbedarf. Ich habe
deshalb im Rahmen des Klimaaktionsprogramms eine Erhöhung und wirksamere
Verwendung der Fördermittel für energetische Gebäudesanierung
durchgesetzt."

Eine zweite Ursache für die gestiegenen Emissionen lag im Verkehrsbereich.
Hier stieg der Treibhausgasausstoß um 1,5 Prozent auf 163,6 Millionen
Tonnen CO2. Gründe dafür waren unter anderem die generell
zurückgegangenen Kraftstoffpreise und eine deutliche Zunahme des
Güterverkehrsaufkommens, insbesondere auf der Straße.

UBA-Präsidentin Maria Krautzberger: „Die aktuellen Daten bestätigen
erneut: Nur mit einer anderen Mobilität werden wir unsere Klimaziele
erreichen. Wir brauchen, unter anderem, ein besseres Angebot von Bus und
Bahn, mehr Elektromobilität für Autos und Fahrräder und eine Förderung
von Fuß- und Fahrradverkehr. Letztlich muss der Verkehrsbereich
klimaneutral gestaltet sein." Hier bestehe auch noch Forschungs- und
Entwicklungsbedarf, beispielsweise zur Umwandlung von Strom aus
erneuerbaren Energien in Treibstoffe (Power-to-Gas / Power-to-Liquid).

In der Industrie kam es 2015 zu einem Emissionsanstieg um 0,8 Millionen
Tonnen CO2-Äquivalente. Im Abfallsektor gingen die Emissionen um knapp
0,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente gegenüber dem Vorjahr zurück, hier
wirken sich Verbesserungen bei der Abfalldeponierung aus.

In der Landwirtschaft stiegen die Treibhausgasemissionen um 1,3 Prozent auf
66,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Grund dafür sind
Lachgas-Emissionen aus vermehrter Düngung sowie Methan-Emissionen
aufgrund steigender Tierzahlen in der Rinder- und Schafshaltung. Diese
Treibhausgase sind unterschiedlich klimawirksam und werden zur besseren
Vergleichbarkeit in CO2-Äquivalente umgerechnet.

Die vorliegenden Ergebnisse sind erste Detailschätzungen. Sie leiten sich
aus einem System von Modellrechnungen und Trendfortschreibungen der im
Januar veröffentlichten detaillierten Berechnungen des Jahres 2015 ab.
Dabei wurden erste für das Jahr 2015 veröffentlichte Überblicksangaben
zum Primärenergieverbrauch der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen und
von Industrieverbänden verwendet.

Detaillierte Tabellen finden Sie unter www.bmub.bund.de/N52922

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Herausgeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz,
Bau und Reaktorsicherheit, Stresemannstr. 128-130, 10117 Berlin
Redaktion: Michael Schroeren (verantwortlich), Nikolai Fichtner,
Stephan Gabriel Haufe, Andreas Kübler und Frauke Stamer
Telefon: 030 18 305-2018
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