Donnerstag, 10. März 2016

BMUB Pressedienst Nr. 053/16 -- Atom/Internationales

Berlin, 10. März 2016

Atom/Internationales
5 Jahre Fukushima: Atomkraft hat keine Zukunft

Vor fünf Jahren, am 11. März 2011, kam es infolge eines schweren
Erdbebens zu einer Flutwelle in Japan, die zu Kernschmelzen in den vier
Blöcken des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi führte. Große Mengen an
Radioaktivität wurden freigesetzt mit verheerenden Folgen für Mensch und
Natur. Bundes-umweltministerin Barbara Hendricks wird im Mai nach Japan
reisen und sich vor Ort über die Arbeiten auf dem Gelände des AKW
Fukushima I informieren und auch evakuierte Gebiete besuchen.

Hendricks: „Wir gedenken heute der vielen Opfer der Dreifachkatastrophe .
Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und Hinterbliebenen der Opfer. Aber
auch viele Tausende Überlebende leiden unter den Folgen der
Atomkatastrophe. Sie hat ihre Lebensgrundlage vernichtet und ihnen Wohnung
und Heimat geraubt, manchen für immer. Bei der Bewältigung des Unglücks
ist immer noch kein Ende absehbar.

Fukushima hat uns 25 Jahre nach Tschernobyl auf schreckliche Art und Weise
vor Augen geführt, welche tatsächlichen Risiken mit der Nutzung der
Atomenergie verbunden sind und welche verheerenden Folgen ein
Reaktorunfall für Mensch, Natur und Umwelt hat.

Die Welt musste lernen, dass auch in einem hoch entwickelten Land wie Japan
immer ein Risiko bleibt. Atomkraft ist nicht zu 100 Prozent beherrschbar.
Im Unglücksfall verwüstet sie ganze Landstriche. Und in jedem Fall
belasten ihre Hinterlassenschaften unzählige Generationen. Für mich ist
daher klar: Die Atomkraft hat keine Zukunft. Sie wird sich weltweit auch
deshalb nicht durchsetzen, weil wir mit den erneuerbaren Energien
inzwischen sauberere und auch wettbewerbsfähigere Alternativen haben.

In Deutschland sind wir mit dem Atomausstieg auf gutem Weg. Von den 17
Atomkraftwerken vor fünf Jahren sind heute nur noch acht in Betrieb –
und anders als von der Atomlobby lange behauptet, sind die Lichter nicht
ausgegangen. Ende 2022 wird die gewerbliche Atomkraft in Deutschland
Geschichte sein. Bis zum allerletzten Tag muss das höchste
Sicherheitsniveau für den Betrieb der AKW gewährleistet werden. Das hat
für mich höchste Priorität."

Hintergrund:
Nach der Atomkatastrophe von Fukushima hat Deutschland in einem breiten
Konsens beschlossen, schnellstmöglich und schrittweise aus der
Atomenergie auszusteigen. Zudem wur-den Sicherheitsüberprüfungen der
Atomkraftwerke durchgeführt. Die daraus abgeleiteten Maß-nahmen wurden
in einem nationalen Aktionsplan zusammengefasst. Dieser wird gemeinsam von
den Aufsichtsbehörden des Bundes und der Länder sowie den Betreibern
umgesetzt, jährlich aktualisiert und veröffentlicht.

Die Ereignisse in Fukushima lehren, dass Planungen für den
Katastrophenschutz unabhängig von der Wahrscheinlichkeit des Eintritts
eines Reaktorunfalls unerlässlich sind. Deshalb hat das
Bundesumweltministerium nach dem Reaktorunglück in Fukushima die
Strahlenschutzkommission (SSK) beauftragt, die fachlichen Grundlagen für
den Notfallschutz in Deutschland und das dazugehörige Regelwerk zu
überprüfen. Als Ergebnis dieser Arbeiten hat die SSK fünf neue
Empfehlungen verabschiedet, vier ältere Empfehlungen aktualisiert und
weitere 76 Einzelempfehlungen in einer umfassenden Bewertung
zusammengestellt. Sie hat insbesondere empfohlen, die Planungsgebiete in
der Umgebung von in Betrieb befindlichen Kernkraftwerken für die
sofortigen Katastrophenschutzmaßnahmen zu vergrößern und die Zonen neu
festzulegen.

Zu den zentralen Katastrophenschutzmaßnahmen zählen Evakuierung,
Verbleiben in Gebäuden und Jodblockade. Diese Empfehlungen
berücksichtigen äußerst unwahrscheinliche schwere Unfälle in
Atomkraftwerken, zum Beispiel erhebliche Freisetzungen von Radioaktivität
als Folge eines Containment-Versagens. Die Innenminister von Bund und
Ländern haben sich diese Empfehlungen zu Eigen gemacht. Jetzt liegt es in
der Hand der zuständigen Innenbehörden, die Empfehlungen zu
konkretisieren und umzusetzen. Bund und Länder stimmen sich in diesem
Zusammenhang zu den Fragen der Jodblockade der Schilddrüse sowie zur
radiologischen Lagebeurteilung im Fall eines kerntechnischen Unfalls ab.

Radioaktive Strahlung macht nicht an den Grenzen halt. In unseren
Nachbarländern gibt es mehrere Atomkraftwerke in der Nähe der deutschen
Grenze. Deshalb brauchen wir auch beim Notfallschutz ein gemeinsames
Vorgehen in Europa. Das dient auch unserem Schutz. Auf Initiative des
Bundesumweltministeriums haben sich die Leiter der europäischen
Strahlenschutz- und Reaktorsicherheitsbehörden Ende 2014 erstmals auf ein
europaweites Konzept für die Bewältigung von schweren kerntechnischen
Unfällen verständigt. Es enthält ein Bewertungsschema für einen –
äußerst unwahrscheinlichen – schweren Unfall sowie
grenzüberschreitende Empfehlungen für erste Maßnahmen des
Notfallschutzes.

Hinweis:
Einen Video- und Audio-O-Ton der Ministerin zum Thema finden Sie unter
www.bmub.bund.de/N52913

Das BMUB auf Twitter: @bmub

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Herausgeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz,
Bau und Reaktorsicherheit, Stresemannstr. 128-130, 10117 Berlin
Redaktion: Michael Schroeren (verantwortlich), Nikolai Fichtner,
Stephan Gabriel Haufe, Andreas Kübler und Frauke Stamer
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