Mittwoch, 15. Juli 2015

BMUB Pressedienst Nr. 170/15 -- Naturschutz

Berlin, 15. Juli 2015

Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Bundesamt für Naturschutz

Auch die Natur verdient für ihre Arbeit einen Mindestlohn

Der Nutzen und Wert funktionierender Ökosysteme wird oft nicht gesehen und
unterschätzt. Mit Hilfe eines neuen Projekts aus dem Bundesprogramm
Biologische Vielfalt sollen jetzt die verborgenen Leistungen der
Schutzgebiete sichtbar gemacht werden und damit einen Geldwert bekommen.
Diese „Inwertsetzung" ermöglicht die Ausgabe von kombinierten
Kohlenstoff-Zertifikaten und schafft damit attraktive
Investitionsmöglichkeiten für Unternehmen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sieht darin einen Anreiz für mehr
freiwilliges Engagement im Klima- und Biodiversitätsschutz in
Deutschland. „Interessierte Unternehmen und Privatpersonen finden hier
bislang nur wenige inländische Angebote, die ihre Ansprüche an Standards
und Zertifizierungen erfüllen. Mit den Zertifikaten, die für die
qualitativ hochwertigen, zertifizierten Projekte in den Schutzgebieten der
Nationalen Naturlandschaften ausgestellt werden, kann diese Lücke
geschlossen werden." Das Projekt wird vom Bundesumweltministerium mit
rund 1,2 Mio. Euro gefördert und vom Bundesamt für Naturschutz fachlich
begleitet.

Bei den Zertifikaten aus den Schutzgebieten handelt es sich um
„kombinierte Kohlenstoffzertifikate". Sie bilden neben den
Klimaleistungen weitere zusätzliche Umwelt- und Naturschutzleistungen ab,
für deren Erfassung eigene Standards mit klaren Kriterien und Regeln
benötigt werden. „Die kombinierten Kohlenstoffzertifikate sind eine
wichtige Weiterentwicklung, um die Synergien im Klima- und
Biodiversitätsschutz deutlich zu machen und zusätzliche neue
Finanzierungsmöglichkeiten für den Naturschutz zu schaffen", sagte
BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.

Zu den Nationalen Naturlandschaften (NNL) zählen alle Nationalparks, alle
Biosphärenreservate und bestimmte Naturparke in Deutschland. Die
Großschutzgebiete erbringen viele Ökosystemleistungen. Beispielsweise
liefern sie saubere Luft, stellen Trinkwasser zur Verfügung und bieten
wichtige Räume für die Erholung.

In den Schutzgebieten werden viele Naturschutzprojekte realisiert, die
neben der eigentlichen Schutzleistung noch weitere Ökosystemleistungen
mit einem hohen gesellschaftlichen Nutzen erbringen. Die Wiedervernässung
von Mooren beispielsweise führt dazu, dass Treibhausgasemissionen
kostengünstig eingespart und wertvolle Lebensräume für die biologische
Vielfalt erhalten werden. Auch mit Wiederaufforstungen,
Waldumbaumaßnahmen und Gehölzanpflanzungen wird Kohlenstoff gebunden und
die Biodiversität erhöht. Die positiven Effekte für den Klima- und
Naturschutz sollen jetzt in dem neuen Projekt „Inwertsetzung von Klima-
und Naturschutzmaßnahmen in den Natio-nalen Naturlandschaften
Deutschlands (NNL)" genau erfasst und quantifiziert werden.

Ziel des Projektes ist es, auf dieser Basis Zertifikate aus Moor-, Wald-
und Grünlandprojekten in den NNL zu generieren und zu verkaufen. Mit den
Einnahmen wird die Umsetzung neuer Projekte in den NNL finanziert. Für
den Verkauf der Zertifikate baut der Dachverband der NNL, EUROPARC
Deutschland e.V. während der vierjährigen Projektlaufzeit effektive
Vermarktungsstrukturen auf. Zentrales Element ist eine internetbasierte
Angebotsplattform, die die attraktiven Leistungsangebote aus den NNL mit
der Nachfrage zusammenbringt und für die Qualitätssicherung und
transparente Finanzabwicklung sorgt.

Für Moorprojekte gibt es bereits den MoorFutures-Standard, auf den in dem
Projekt aufgebaut wird. Darüber hinaus werden eigene Standards für Wald
und Grünland von dem Projektpartner DUENE e.V. entwickelt und in vier
ausgewählten Beispielregionen der NNL umgesetzt, um die käuflichen
Zertifikate zu generieren.
Weitere Informationen zum Projekt unter:
http://www.biologischevielfalt.de/22756.html


Hintergrund
Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt
Die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) wird
seit 2011 durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt.
Gefördert werden Vorhaben, denen im Rahmen der NBS eine gesamtstaatlich
repräsentative Bedeutung zukommt oder die diese Strategie in besonders
beispielhafter Weise umsetzen. Die geförderten Maßnahmen tragen dazu
bei, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und
mittel- bis langfristig in einen positiven Trend umzukehren. Sie dienen
dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung sowie der Entwicklung der
biologischen Vielfalt und gehen über die rechtlich geforderten Standards
hinaus. Akzeptanzbildende Maßnahmen der Informationen und Kommunikation
tragen dazu bei, das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische
Vielfalt zu stärken (siehe
http://www.biologischevielfalt.de/bundesprogramm.html).

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Herausgeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz,
Bau und Reaktorsicherheit, Stresemannstr. 128-130, 10117 Berlin
Redaktion: Michael Schroeren (verantwortlich), Nikolai Fichtner,
Stephan Gabriel Haufe, Andreas Kübler und Frauke Stamer
Telefon: 030 18 305-2018
E-Mail: presse@bmub.bund.de Internet: www.bmub.bund.de/presse
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