Montag, 7. Juli 2014

BMUB Pressedienst Nr. 118/14 -- Chemikalien/Gesundheit

Bundesumweltministerium und Chemieverband setzen neue Ziele für
Human-Biomonitoring
Das Bundesumweltministerium entwickelt gemeinsam mit der Chemischen
Industrie neue Methoden zur Messung von Chemikalien im menschlichen
Körper. Im Fokus dieses Human-Biomonitoring stehen Substanzen, die von
der Bevölkerung möglicherweise vermehrt aufgenommen werden oder die eine
besondere Gesundheitsrelevanz haben könnten. Bis 2020 sollen für bis zu
fünfzig dieser ausgewählten Stoffe oder Stoffgruppen Analysemethoden
entwickelt werden. Kooperationspartner des Bundesumweltministeriums ist
der Verband der Chemischen Industrie (VCI).
Human-Biomonitoring (HBM) liefert wissenschaftlich fundierte Daten, ob und
in welchem Ausmaß Stoffe vom menschlichen Körper aufgenommen werden, ob
es in der Bevölkerung Gruppen mit besonders hohen Belastungen gibt und ob
chemikalienrechtliche Regelungen zum gewünschten Rückgang von
Belastungen geführt haben.
Bei den nun für 2014 ausgewählten Stoffen handelt es sich um DEHA/DOA,
DINA, Octocrylen und Lysmeral – zwei Weichmacher, einen UV-Filter und
einen Riechstoff. Die Auswahl der Stoffe basiert auf den Empfehlungen
eines hochrangig besetzten Expertenkreises aus Wissenschaft und Forschung,
der Industrie und einschlägigen Fachbehörden.

Der Versuch, geeignete Nachweismethoden für die 2012 ausgewählten
Siloxane D4, D5 und D6 zu finden, blieb dagegen erfolglos. Trotz
erheblicher Bemühungen ist es nicht gelungen, hinreichend empfindliche
und aussagekräftige Methoden zu entwickeln. Statt der Siloxane soll nun
für die Chemikalie TDI, die bei der Herstellung von Kleb- und
Schaumstoffen eine erhebliche Bedeutung hat, erstmals eine spezifische
Nachweismethode erarbeitet werden. Auf diese Weise wollen die
Kooperationspartner das ehrgeizige Ziel des Projekts bekräftigen, bis
2020 für bis zu 50 moderne Chemikalien erstmals geeignete
Nachweismethoden zu entwickeln.

Insgesamt konnten seit 2010 sieben neue Methoden für Chemikalien wie
DINCH, DPHP und MDI erarbeitet werden. Erfolge für zwei weitere Stoffe
stehen kurz bevor. Die neuen Analysemethoden werden von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft als unabhängigem Expertengremium validiert. Bei
allen im Projekt ausgewählten Stoffen handelt es sich um Substanzen, die
verbrauchernah eingesetzt werden - als Weichmacher für Kunststoffe, etwa
als UV-Filter in Kosmetika, als Lösemittel oder Flammschutzmittel.
Die neuen Messmethoden werden nun im Rahmen von zwei Reihenuntersuchungen -
im Fünften Umwelt-Survey bzw. an Proben der Umweltprobenbank angewendet,
um Daten über die Relevanz in der Allgemeinbevölkerung oder ggf. deren
zeitliche Entwicklung zu gewinnen. Für die Entwicklung der
Nachweisverfahren hat der VCI die Verantwortung übernommen und wird dabei
von dem Expertenkreis unterstützt und beraten. Für die Anwendung der
Methoden liegt die Verantwortung beim BMUB, das hier eng mit dem
Umweltbundesamt zusammenarbeitet.
Gelingt es, für möglichst viele chemische Stoffe neue Analysemethoden zu
entwickeln, sind damit erhebliche Erkenntnisgewinne verbunden, ob eine
Belastung der Bevölkerung mit heute wichtigen Industriechemikalien
vorliegt. Bisher muss hier allzu oft auf modellhafte Annahmen
zurückgegriffen werden, mit denen gesundheitliche Risiken leicht über-
oder unterschätzt werden.
Die toxikologisch-gesundheitliche Bewertung der gefundenen Konzentrationen
übernimmt die Human-Biomonitoring-Kommission, ein unabhängiges
Expertengremium beim Umweltbundes-amt. Das Vorkommen eines Stoffes im
Organismus kann nicht pauschal als gesundheitlich rele-vant angesehen
werden.

Das BMUB auf Twitter: @bmub

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Herausgeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz,
Bau und Reaktorsicherheit, Stresemannstr. 128-130, 10117 Berlin
Redaktion: Michael Schroeren (verantwortlich), Nikolai Fichtner, Andreas
Kübler, Nicole Scharfschwerdt und Frauke Stamer
Telefon: 030 18 305-2010
E-Mail: presse@bmub.bund.de Internet: www.bmub.bund.de/presse
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