Mittwoch, 23. April 2014

PM U. Kekeritz: Rana Plaza Katastrophe: Entschädigung jetzt

PRESSEDIENST
PRESSEMITTEILUNG NR. 0327-14


18. WP - 23.04.2014

 
Rana-Plaza-Katastrophe: Entschdigung jetzt

 
Zum Jahrestag des Einsturzes der Rana-Plaza-Textilfabrik erklrt Uwe Kekeritz, Sprecher fr Entwicklungspolitik:

 
Der Aufschrei nach der Tragdie von Rana-Plaza ist wirkungslos verhallt. Die Opfer warten bis heute auf eine angemessene Entschdigung. Die Arbeitsumstnde in der Textilindustrie Bangladeschs sind immer noch miserabel und die Lhne reichen den Menschen nicht zum Leben. Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft haben es bislang versumt, die richtigen Lehren aus der Katastrophe zu ziehen.

 
Besonders unrhmlich ist die Rolle der europischen und US-amerikanischen Unternehmen, die sich bislang weigern, in den Entschdigungsfonds der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einzuzahlen. Dabei tragen sie als Auftraggeber in der Rana-Plaza-Fabrik eine Teilschuld an der Tragdie. Von den bentigten 40 Millionen Dollar wurden bislang erst 15 Millionen Dollar in den Fonds eingezahlt. Dieses Verhalten verhhnt das Leid der Opfer. Entschdigungszahlungen knnten zumindest zu einer kleinen Verbesserung ihrer Lebensumstnde beitragen.

 
Auch in puncto Arbeitsstandards ist bislang kaum Positives zu erkennen. Die Unterzeichnung des Bangladesh Fire Accords durch europische und US-amerikanische Unternehmen wurde im vergangenen Jahr noch als groer Fortschritt gefeiert. Allerdings muss sich erst noch herausstellen, inwieweit die versprochenen Manahmen zur Verbesserung der Gebudesicherheit und des Brandschutzes Wirkung zeigen. Immerhin hat es seit der Katastrophe von Rana-Plaza bislang keine weiteren, greren Unflle gegeben.

 
Ein weiteres Problem bleiben die niedrigen Lhne: Die Regierung Bangladeschs erhhte zwar den Mindestlohn im Textilsektor, allerdings werden dadurch nicht einmal die gestiegenen Lebenshaltungskosten kompensiert. Der Mindestlohn liegt so immer noch weit unter dem bentigten Living Wage - dem existenzsichernden Lohn .

 
Aber auch die Verbraucherinnen und Verbraucher hier in Deutschland mssen sich fragen, welche Konsequenzen sie aus der Tragdie von Rana-Plaza gezogen haben. 2013 war die Emprung ber die Arbeitsumstnde in Bangladesch noch gro. Aber was ist davon geblieben? Konsumentinnen und Konsumenten knnen Druck ausben und ein menschenwrdiges Dasein fr die Nherinnen und Nher einfordern. Wir drfen nicht gleichgltig wegschauen und uns durch freiwillige Selbst-Verpflichtungen der Mode-Ketten einlullen lassen. Ein hoher Preis fr Kleidung garantiert keine gute Arbeitsbedingungen, aber ein sehr niedriger macht sie faktisch unmglich. Erst mehr Transparenz durch gesetzliche Offenlegungspflichten knnte wirklich etwas verndern.

 
Zum Hintergrund: Am 24. April 2013 strzte die Textilfabrik Rana Plaza in der Nhe Dhakas ein. Die Katastrophe kostete 1130 Menschen das Leben, 1500 wurden zum Teil schwer verletzt. Durch den enormen ffentlichen Druck unterzeichneten in Bangladesch ttige, westliche Bekleidungsfirmen den ,,Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh" . Die ILO fhrt Verhandlungen, um die Opfer der Katastrophe zu entschdigen.

 
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