Freitag, 26. November 2010

PM 1398-10, (Bundesregierung toleriert Qualzucht bei Nutztieren)

PRESSEMITTEILUNG der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

NR. 1398
Datum: 26. November 2010

Bundesregierung toleriert Qualzucht bei Nutztieren

Zur Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage "Missstände in der Nutztierzucht" erklärt Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik:

Die Bundesregierung gibt zu, dass es in der Nutztierzucht Probleme gibt, weist aber alle Verantwortung für die quälerische Zucht von sich. Stattdessen werden die Bundesländer, Zuchtverbände und sogar die Verbraucher verantwortlich gemacht. Aber: Das Bundeslandwirtschaftsministerium ist durch das Tierschutzgesetz eigens ermächtigt, hier Maßnahmen zu ergreifen. Die Bundesregierung muss ihre Verantwortung endlich wahrnehmen. Das Wohl der Tiere muss mehr zählen als das Ziel der Agrarindustrie, aus wirtschaftlichen Gründen Tiere weiter an die Haltungsform anzupassen.

Tierärzte, Tierschutzverbände und Juristen fordern seit Jahren eine Konkretisierung des Tierschutzgesetzes, um bei Fällen von Qualzucht handeln zu können. Beispiel hierfür sind die männlichen Mastputen der Linie Big 6, die am Ende der Mastzeit aufgrund des übergroßen Brustmuskels, einem Gewicht von über 20 Kilo und damit einhergehender Knochen- und Gelenkproblemen, oft nur noch liegen können. Doch die Bundesregierung ist der Ansicht, dass eine Konkretisierung aufgrund internationaler Verflechtungen nicht möglich ist.

Tierschutzprobleme sieht die Bundesregierung nur in einigen Bereichen. Dazu gehört ein Defektgen bei besonders fleischreichen Schweinen, die bei Stress durch Transporte oder sogar den Deckakt qualvoll verenden können. Laut Bundesregierung wird bundesweit gegen dieses Gen selektiert. Das ist nicht richtig. In Bayern wird auch diese Zuchtlinie weiter verfolgt. Hier muss die Bundesregierung handeln.

Die schmerzhafte Amputation von Ringelschwänzen bei Schweinen und von Schnäbeln bei Geflügel ist aus Sicht der Bundesregierung ein notwendiges Übel. Sie soll verhindern, dass die Tiere sich in der drangvollen Enge gegenseitig verletzen. Diese Maßnahmen sind nach Tierschutzgesetz verboten und nur in Ausnahmefällen möglich. Diese Ausnahmen sind aber längst zur Regel geworden. Die Bundesregierung behauptet, dass es bisher keine Alternative gibt. Auf Neuland- oder Biobetrieben werden Amputationen aber nicht vorgenommen.


(c) Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

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